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NeoSatoshi

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Ein Jahr Pokémon-Karten verkauft: Mein ehrlicher Bericht über Umsatz, Gewinn und was ich gelernt habe

Vor einem Jahr begann ich, aus rund 50.000 Bulk-Karten ein Geschäft aufzubauen. Hier ist der komplette Rückblick mit allen Zahlen, Erfolgen und Misserfolgen des ersten Jahres, damit du aus meinen Erfahrungen lernen kannst.

Von NeoSatoshi

TL;DR

Schnelle Antworten

Die Kernpunkte aus diesem Video, kurz beantwortet.

Die Ausgangslage: 50.000 Bulk-Karten und eine Idee

Vor einem Jahr stand ich vor einem großen Haufen unsortierter Bulk-Karten. Die Idee war, daraus ein echtes Geschäft zu machen. Am Anfang standen aber vor allem Fragen im Raum: Wie bekomme ich 50.000 Karten in mein Inventar? Wie und wo liste ich sie am besten? Ich wollte nicht meine private Sammlung verkaufen, also schien der Start mit günstigen Bulk-Karten der richtige Weg zu sein.

Die ersten Schritte: Sortiermaschine und Listing-Tools

Mir wurde schnell klar, dass das manuelle Sortieren und Inventarisieren von 50.000 Karten ewig dauern würde. Nach einiger Recherche entschied ich mich für den Kauf einer Sortiermaschine, des „Magic Sorter“. Das ist vielleicht kein typischer Start, aber ich bin überzeugt, dass es mir enorm viel Zeit gespart hat.

Für das Listing habe ich mich auf die für mich relevanten Plattformen konzentriert. Da ich in der Schweiz ansässig bin, ist Cardmarket mein Hauptmarkt. Das direkte Listen auf Cardmarket ist aber umständlich. Deshalb habe ich TCG Power Tools genutzt, um die CSV-Datei meiner Sortiermaschine schnell auf Cardmarket hochzuladen. Zusätzlich habe ich auf Ricardo, einer Schweizer Auktionsplattform ähnlich wie eBay, verkauft.

Erster Rückschlag: Die Master-Set-Falle

Eine meiner ersten Ideen war, aus den vielen Bulk-Karten komplette Master-Sets zu erstellen – also alle Common-, Uncommon- und Rare-Karten eines Sets zusammenzustellen. Das stellte sich als großer Fehler heraus. Der Zeitaufwand, die Sets mit 100-200 Karten zusammenzusuchen, war riesig.

Am Ende blieben die Sets einfach liegen. Ich habe nur wenige verkauft und der erzielte Preis war den Aufwand absolut nicht wert. Das war eine wichtige Lektion über den Wert meiner Zeit und ein erster echter Dämpfer für mein Geschäft.

Wichtige Lektionen für den Anfang

Wenn ich dir einen Rat geben kann, dann diesen: Fang einfach an und lerne auf dem Weg. Es wird am Anfang langsam sein. Niemand kennt dich, du musst dir Vertrauen und Bewertungen aufbauen und dein Inventar langsam vergrößern. Bei Einzelkarten, die heute meine Haupteinnahmequelle sind, hatte ich am Anfang nur einen winzigen Bestand.

Du musst damit rechnen, dass es am Anfang langsam geht und sich erst mit der Zeit steigert. Das siehst du später auch genau in meinen Zahlen.

Expansion und die Tücken des internationalen Versands

Im August habe ich angefangen, auch auf Card Trader zu listen. Das führte zu einem ersten Verkaufshoch, da viele Käufer meine Bulk-Karten wollten. Doch dann kam die Ernüchterung: Ein großes Paket nach Italien blieb für ein bis zwei Monate im Zoll stecken. Ich habe dafür nie Geld gesehen und die Karten erst im Dezember zurückbekommen. Eine teure Lektion über internationalen Versand und Zollformalitäten.

Im selben Monat erhielt ich aber auch meine bisher größte Bestellung: Ein Käufer meldete sich per E-Mail und bestellte über 1.000 Bulk-Karten auf einmal, um seine Master-Sets zu vervollständigen.

Inventar schneller erfassen

Ein chaotisches Sortiersystem ist gut, aber das Scannen ist noch besser. Erfasse deine Karten in Sekundenschnelle und erstelle Listings ohne Tipparbeit.

Inventar schneller erfassen

Der strategische Wechsel zu Shopify

Mir war von Anfang an klar, dass die wahre Stärke im Aufbau eines eigenen Onlineshops liegt. Man ist unabhängig von Plattformen, hat niedrigere Gebühren und – am wichtigsten – man besitzt die Kundenbeziehung. Also habe ich im November meinen Shopify-Store gestartet.

Ein eigener Shop ist ein Marathon, kein Sprint. Es dauert Monate, bis Google deine Seite indexiert und du organischen Traffic bekommst. Die mächtigste Funktion ist der Aufbau einer eigenen Kundenliste. Auch mit meiner kleinen Liste von nur 40 E-Mail-Adressen generiere ich bei jeder Kampagne Verkäufe. Ein einfacher Tipp: Lege jeder Bestellung auf Cardmarket oder Ricardo einen kleinen Flyer für deinen Shopify-Shop bei. Das funktioniert.

Wenn die Aktivität nachlässt: Kein Listing, kein Verkauf

Der Dezember war ein schwacher Monat. Durch Feiertage und ein Event konnte ich kaum neue Karten listen oder mich um den Shop kümmern. Das Ergebnis war eindeutig: keine neuen Listings, kaum Verkäufe. Natürlich kommen ein paar Bestellungen aus dem bestehenden Inventar, aber die Aktivität bricht ein. Die Lektion: Du solltest mindestens ein- bis zweimal im Monat neue Karten einstellen, um das Geschäft am Laufen zu halten.

Weitere Experimente: Flohmärkte und Grading

Ich habe auch versucht, auf Flohmärkten zu verkaufen. Nach fünf Stunden Standzeit hatte ich gerade mal die Standgebühr wieder drin. Absolut nicht lohnenswert. Die Zeit investiere ich lieber ins Listen oder den Einkauf von Sammlungen.

Auch das Thema Grading habe ich ausprobiert. Meine Karten stecken seit acht Monaten bei PSA fest. Ich habe gerade die Nachricht bekommen, dass sie bewertet wurden, aber nach fast 10 Monaten Wartezeit ist das für mich kein tragfähiges Geschäftsmodell. Mit PSA werde ich nicht weitermachen.

Die Wende: Von Bulk zu Einzelkarten-Sammlungen

Inzwischen habe ich meinen Fokus von Bulk-Karten auf Einzelkarten verlagert. Bulk war ein super Einstieg – geringes Risiko, hohe Margen. Ich habe Karten für ca. 2 Cent das Stück gekauft und konnte manche für 1 $ oder mit Glück sogar für 10 $ verkaufen.

Das Problem mit Bulk ist der Zeitaufwand beim Kommissionieren der Bestellungen. Bei 10-15 Bestellungen am Tag war ich täglich 1-2 Stunden nur mit dem Heraussuchen der Karten beschäftigt. Auch mein Sortiersystem habe ich von einer klassischen Set-Sortierung auf ein „Chaos-System“ umgestellt, was das Einlagern viel schneller macht. Trotzdem bleibt das Picken zeitaufwändig.

Meine neue Strategie ist, gezielt Sammlungen aufzukaufen, die Karten schnell zu verkaufen und das Kapital direkt in die nächste Sammlung zu reinvestieren. Das hat meinem Wachstum den entscheidenden Schub gegeben.

Die nackten Zahlen: Ein Jahr in Umsatz und Gewinn

Nach einer langen Phase mit flachem Wachstum sind die Zahlen in den letzten Monaten explodiert. Der Mai war mein bisher bester Monat mit 4.300 $ Umsatz und knapp 1.300 $ Gewinn. Shopify ist dabei schon mein zweitstärkster Kanal, noch vor Cardmarket.

  • Januar-März: Umsatz konstant bei ca. 2.000 $, Gewinn zwischen 350 $ und 470 $.
  • April: Einbruch wegen Urlaub, nur 200 $ Gewinn.
  • Mai: Sprung auf 4.300 $ Umsatz und 1.300 $ Gewinn.
  • Juni (bisher): Bereits 1.800 $ Gewinn erreicht, auf dem Weg zu 7.000 $ Umsatz.

Insgesamt habe ich dieses Jahr bisher 18.000 $ Umsatz und 4.500 $ Gewinn gemacht. Man sieht deutlich, wie sich die konsequente Arbeit und die strategische Neuausrichtung jetzt auszahlen.

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