Ein kompletter Workflow: Pokémon-Karten sortieren, listen und im Inventar verwalten
Wenn du regelmässig Pokémon-Karten verkaufst, ist ein solides System für Inventar und Listing entscheidend. Ich zeige dir meinen kompletten Prozess, den ich über ein Jahr optimiert habe, von der Sortierung neuer Sammlungen bis zum schnellen Auffinden verkaufter Karten.
Von NeoSatoshi
Schritt 1: Sammlungen sichten und vorsortieren
Alles beginnt mit einer neuen Sammlung. Der erste Schritt ist, die Karten aus den Ordnern zu nehmen und grob zu sichten. Dabei achte ich auf den Zustand und sortiere die Karten direkt nach Sprache. In Europa sind das meistens Englisch, Deutsch und vielleicht noch Französisch oder Spanisch. In den USA sind es oft japanische Karten neben den englischen.
Ich lege für jede Sprache einen eigenen Stapel an. Normalerweise ist der englische Stapel am grössten, gefolgt von Deutsch und dann Japanisch. Diese Stapel kommen dann in eine „Unlisted“-Box – bei mir ist das einfach eine leere Top-Trainer-Box (TTB). So habe ich alle ungelisteten Karten an einem Ort, bereit für den nächsten Schritt.
Schritt 2: Der Fotoprozess für wertvollere Karten
Etwa alle zwei Wochen, wenn sich ein paar hundert neue Karten angesammelt haben, mache ich die Fotos. Mein Foto-Setup ist sehr einfach und befindet sich in meiner Küche. Ich benutze eine Halterung für mein Smartphone, um konsistente Bilder zu machen.
Dieser Prozess eignet sich gut für wertvollere Karten ab dem EX- oder V-Level. Wenn du vorhast, grosse Mengen an Massenkarten (Bulk) zu listen, würde ich dir definitiv einen Scanner empfehlen. Das spart enorm viel Zeit. Da mein Bulk-Inventar aber bereits erfasst ist und ich momentan nur wertvollere Einzelkarten hinzufüge, reicht mir das Fotografieren mit dem Smartphone.
Das Wichtigste beim Fotografieren: Die Reihenfolge der Karten darf nach dem Fotografieren nicht mehr verändert werden. Jedes Foto hat einen Zeitstempel, und genau diese Reihenfolge brauchen wir später für die Zuweisung zum Inventar.
Schritt 3: Mein Inventarsystem – Das Chaosprinzip
Mein Lagersystem basiert auf dem Chaosprinzip. Das heisst, die Karten werden nicht nach Set oder Alphabet sortiert, sondern einfach durchnummerierten Plätzen zugewiesen. Das klingt erstmal chaotisch, ist aber extrem effizient.
Lagerung für Bulk und wertvolle Karten
Ich trenne meine Massenkarten von den wertvolleren Karten:
- Massenkarten (Bulk): Diese lagere ich in TTBs, die ich mit Buchstaben wie A und B kennzeichne. Jede TTB hat 10 Fächer, in die jeweils etwa 50 Karten passen. So hat eine Box eine Kapazität von rund 500 Karten.
- Wertvollere Karten: Diese lagere ich in grösseren Boxen, sortiert nach Sprache (D für Deutsch, E für Englisch, J für Japanisch). Hier sind die Fächer kleiner und fassen nur etwa 20 Karten. Das macht das spätere Finden (Kommissionieren) viel schneller.
Du musst diese Trennung nicht machen, aber ich finde es übersichtlicher. Theoretisch könntest du alle Karten in einem einzigen Chaos-System lagern.
Karten schneller erfassen?
Reduziere die manuelle Dateneingabe. Unsere Software erkennt Karten, Sets und Varianten automatisch von deinen Scans oder Fotos.
Schritt 4: Karten digital erfassen und Inventarplätze zuweisen
Nach dem Fotografieren lade ich die Bilder von meinem Smartphone in meinen Google Drive und wechsle zum PC. Dort lade ich die Bilder in die NeoSatoshi-Software hoch.
- Kartenerkennung: Die Software erkennt automatisch, um welche Karten es sich handelt. Ich gehe jede Karte kurz durch und prüfe die Erkennung. Bei speziellen Varianten, wie z.B. Karten mit Prismatic- oder Cosmo-Holo-Stempel, wähle ich die entsprechende Variante aus.
- Exportvorbereitung: Im nächsten Schritt wähle ich die Zielplattform aus. Ich nutze TCG Power Tools, um auf Cardmarket zu listen, also wähle ich das entsprechende Exportformat.
- Inventarplatz zuweisen: Das ist der entscheidende Punkt. Ich gebe den Start-Lagerplatz an, zum Beispiel „E31“ für mein englisches Inventar. Dann wähle ich aus, wie viele Karten pro Fach gelagert werden sollen (z.B. 10). Die Software weist dann automatisch die folgenden Plätze zu: Die ersten 10 Karten bekommen „E31“, die nächsten 10 „E32“ und so weiter.
Jetzt wird klar, warum die Reihenfolge der Fotos so wichtig war. Die Software verbindet die Karten in der Reihenfolge der Fotos direkt mit den fortlaufenden Lagerplatznummern. Nach dem Export habe ich eine Datei, die alle Karteninformationen inklusive des exakten Lagerplatzes enthält.
Schritt 5: Listing, Preisgestaltung und physische Einlagerung
Die exportierte Datei importiere ich in mein Listing-Tool. Dort werden die Karten mit allen Daten, inklusive der Lagerplätze, angezeigt. Ich nutze eine automatische Preisgestaltung für die meisten Karten, passe die Preise aber für einige manuell an, oft auf ,90 endend.
Für teurere Karten recherchiere ich den Preis manuell auf Cardmarket. Dabei achte ich besonders auf die günstigsten Angebote in meinem Land (Schweiz). Wenn es dort keine oder nur wenige Angebote gibt, habe ich mehr Spielraum bei der Preisgestaltung. Nachdem alle Preise gesetzt sind, füge ich die Karten zu meinem Inventar hinzu.
Jetzt kommt der letzte Schritt: die physische Einlagerung. Ich nehme meinen Stapel fotografierter Karten und die ausgedruckte Exportliste. Die Liste zeigt mir genau, welche Karte die letzte für Fach E31 ist. Ich zähle die Karten ab, lege sie in das Fach E31, nehme die nächsten Karten für E32 und so weiter. Das geht sehr schnell und ist absolut fehlerfrei.
Bei einer Bestellung: Kommissionieren und Verpacken
Wenn eine Karte verkauft wird, generiert mein System eine Kommissionierliste (Pick List). Darauf steht der Name der Karte und vor allem der Lagerplatz, z.B. „D2“.
Ich gehe zu meinem deutschen Inventar (D), nehme den Stapel aus Fach 2, suche die Karte (z.B. „Finixis V“) und lege den Rest zurück. Da in jedem Fach nur 10-20 Karten liegen, ist das in wenigen Sekunden erledigt.
Für den Versand kommt die Karte in einen Toploader. Bei mehreren Karten lege ich die zusätzlichen Karten zwischen zwei Toploader, um sie zu schützen. Das Ganze kommt dann in einen Luftpolsterumschlag. Mit dieser Methode hatte ich so gut wie nie Beschwerden über Transportschäden.
Fazit: Ein System, das mitwächst
Dieser Workflow mag auf den ersten Blick detailliert erscheinen, aber jeder Schritt ist darauf ausgelegt, Fehler zu minimieren und Zeit zu sparen. Die Kombination aus dem Chaosprinzip bei der Lagerung und einer Software, die Fotos direkt mit Lagerplätzen verknüpft, macht das Verwalten von hunderten oder tausenden Karten überschaubar und effizient. Es ist ein System, das sich in der Praxis bewährt hat und mit deinem Geschäft wachsen kann.
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