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Lohnt sich das Grading von Pokémon-Karten bei PSA wirklich? Eine ehrliche Analyse für Verkäufer

Ich habe meine letzte PSA-Sendung mit 33 Karten zurückerhalten. Nach fast einem Jahr Wartezeit schauen wir uns die nackten Zahlen an: Was habe ich verkauft, was war der Gewinn und welche Lehren du für dein eigenes Geschäft daraus ziehen kannst.

Von NeoSatoshi

TL;DR

Schnelle Antworten

Die Kernpunkte aus diesem Video, kurz beantwortet.

Die Eckdaten der PSA-Sendung

Die Grundlage für diese Analyse ist eine Sendung von 33 Pokémon-Karten, die ich Mitte November an PSA geschickt habe. Zurück kamen sie erst Mitte Juli des Folgejahres – eine Wartezeit von rund acht Monaten. Da ich aus der Schweiz nicht direkt bei PSA einreichen kann, lief der Prozess über einen lokalen Dienstleister.

Der entscheidende Punkt sind die Kosten: Damals zahlte ich etwa 30 $ pro Karte. Das ist wichtig, denn wie wir später sehen werden, sind solche Preise heute nicht mehr realistisch. Aktuell musst du mit mindestens dem Doppelten rechnen.

Die Ergebnisse: Eine Übersicht der Grades

Nach der langen Wartezeit war die Ausbeute durchwachsen. Zwar war meine Vorbewertung besser als bei früheren Versuchen, aber das Ergebnis war weit von perfekt entfernt. Die Verteilung sah wie folgt aus:

  • 11 Karten erhielten eine PSA 10 (ca. 33 %)
  • 16 Karten erhielten eine PSA 9 (ca. 48 %)
  • 6 Karten erhielten eine PSA 8 (ca. 18 %)

Die größte Gruppe waren also die PSA-9-Karten. Auf den ersten Blick mag das gut klingen, aber für die Profitabilität ist das oft ein Problem, da der Wertaufschlag im Vergleich zu einer PSA 10 meist gering ist.

Die Abrechnung: Wo lag der Gewinn (und wo der Verlust)?

Die einfache Regel, die sich aus diesem Experiment ableiten lässt: PSA 10 bringt in der Regel Gewinn. PSA 9 ist oft ein Nullsummenspiel oder sogar ein kleiner Verlust. Eine PSA 8 bedeutet bei modernen Karten fast immer einen finanziellen Verlust, wenn man die Grading-Kosten einrechnet.

Konkrete Beispiele aus dem Verkauf

  • Strahlendes Glurak: Als PSA 10 brachte die Karte einen Gewinn von 70 $. Dieselbe Karte als PSA 9 führte zu einem Verlust von 8 $.
  • Growlithe aus Verborgenes Schicksal: Die PSA 10 erzielte einen beeindruckenden Gewinn von 135 $. Die PSA-9-Versionen machten hingegen jeweils ca. 10 $ Verlust.
  • Regigigas VSTAR (Special Art): Ein satter Gewinn von 120 $ in PSA 10.
  • Panferno (Special Art): Nur die eine PSA-10-Karte war profitabel. Alle anderen Exemplare mit Grade 8 oder 9 waren Verlustgeschäfte.
  • Fan-Favoriten: Karten von beliebten Pokémon wie Glurak, Rayquaza oder Pikachu verkaufen sich tendenziell gut, während weniger gefragte Karten selbst als PSA 10 nur einen geringen Gewinn einbringen können.

Diese Beispiele zeigen deutlich: Der Unterschied zwischen einem guten Geschäft und einem Verlust liegt oft nur bei einem einzigen Grade-Punkt.

Die Gesamtrechnung: Was blieb unterm Strich übrig?

Ich habe 31 der 33 Karten über eine Auktionsplattform verkauft. Die zwei unverkauften Karten rechne ich fairerweise mit null Euro Umsatz an. Die Bilanz sieht so aus:

  • Gesamteinnahmen (Verkauf): ca. 1.700 $
  • Kosten für das Grading: ca. 950 $
  • Gesamtgewinn: ca. 220 $

Ein Gewinn von 220 $ auf eine Investition von fast 1.000 $ klingt erstmal nicht schlecht. Das entspricht einer Rendite von etwa 37 % auf den Rohwert der Karten. Aber diese Zahl erzählt nicht die ganze Geschichte.

Die versteckten Kosten: Wartezeit und gebundenes Kapital

Der entscheidende Faktor, der in der reinen Gewinnrechnung oft untergeht, ist die Zeit. Die fast neun Monate Wartezeit sind für ein aktives Geschäft ein enormer Nachteil. In dieser Zeit war mein Kapital in den Karten und den Grading-Gebühren gebunden und konnte nicht für andere An- und Verkäufe genutzt werden.

Hätte ich die Karten stattdessen direkt als „raw“ (ungegradet) verkauft, hätte ich das Geld viel schneller zurückbekommen und mehrfach reinvestieren können. Dieser Opportunitätsverlust schmälert den reinen Zahlen-Gewinn erheblich.

Für ein Geschäft, das auf einen schnellen Warenumschlag angewiesen ist, ist das ein entscheidender Nachteil. Der langsame Prozess des Gradings bremst den Cashflow aus.

Behalte deine Verkaufsdaten im Blick

Ob gegradet oder roh – eine saubere Analyse deiner Verkäufe zeigt dir, welche Karten sich wirklich lohnen. NeoSatoshi hilft dir, deine Gewinne und Verluste genau zu verfolgen.

Behalte deine Verkaufsdaten im Blick

Warum dieses Experiment heute nicht mehr profitabel wäre

Der wichtigste Punkt ist die massive Preissteigerung beim Grading. Die damaligen Kosten von ca. 30 $ pro Karte sind längst Geschichte.

Heute musst du mit mindestens 60 $ pro Karte rechnen. Hätte ich diesen Preis bezahlt, wären meine Gesamtkosten auf fast 2.000 $ gestiegen. Die Rechnung ist einfach: Bei Einnahmen von 1.700 $ und Kosten von 2.000 $ hätte ich einen Verlust von 300 $ gemacht, anstatt 220 $ zu gewinnen.

Das Grading von Karten mit niedrigem bis mittlerem Wert, wie ich es hier getan habe, ist bei den aktuellen Preisen wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll.

Mein Fazit: Für wen lohnt sich PSA-Grading noch?

Meine Erfahrung zeigt, dass das Grading ein risikoreiches Unterfangen für Verkäufer ist. Es ist keine garantierte Methode, um den Wert deiner Karten zu steigern. Du solltest dir der folgenden Punkte bewusst sein:

  • Hohes Risiko: Ein Grade von 9 statt 10 kann den gesamten potenziellen Gewinn zunichtemachen oder sogar zu einem Verlust führen.
  • Fähigkeit zur Vorbewertung: Du musst sehr gut darin sein, den Zustand einer Karte einzuschätzen, um deine Chancen auf eine 10 zu maximieren. Selbst dann gibt es keine Garantie.
  • Lange Wartezeiten: Du musst bereit sein, dein Kapital für viele Monate oder sogar über ein Jahr zu binden.
  • Hohe Kosten: Bei den aktuellen Preisen lohnt es sich fast nur noch für wirklich hochwertige und teure Karten, bei denen selbst eine PSA 8 oder 9 noch profitabel verkauft werden kann.

Für die meisten Händler, die auf einen stetigen Warenfluss und gesunden Cashflow angewiesen sind, ist der schnelle Verkauf von ungegradeten Karten der solidere und besser planbare Geschäftsweg.

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