Warum ich meine Karten von Cardtrader abgezogen habe: Eine Fallstudie für Verkäufer
Jede Verkaufsplattform hat ihre Eigenheiten, aber manche bergen Risiken, die den potenziellen Gewinn schnell zunichtemachen. Nach fast einem Jahr als Pokémon-Kartenverkäufer habe ich beschlossen, einer meiner vier Plattformen den Rücken zu kehren: Cardtrader.
Von NeoSatoshi
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Aktualisiert 26. Mai 2026
Das Versprechen von Cardtrader Zero
Für alle, die es nicht kennen: Cardtrader ist eine internationale Plattform mit Sitz in Italien. Ihr „Zero“-Programm bietet einen zentralisierten Versand an. Als Verkäufer sammle ich alle meine Bestellungen einer Woche und schicke sie in einem Paket nach Italien. Cardtrader übernimmt dann den Weiterversand an die einzelnen Käufer weltweit. Das klingt erstmal praktisch, da man nur einmal pro Woche versenden muss und sich die Versandkosten auf viele Bestellungen verteilen.
Der Nachteil ist die Dauer: Es kann bis zu drei Wochen dauern, bis eine Karte beim Kunden ankommt. Das war für mich bisher aber ein akzeptabler Kompromiss.
Der Auslöser: Ein Verkauf, der teuer wurde
Der Wendepunkt kam mit dem Verkauf einer Mew EX Karte aus der Play-Serie. Diese Karten sind etwas teurer, und ich hatte sie, wie alle meine Karten, als „neuwertig“ (Near Mint) eingestellt. Cardtrader hat den Zustand der Karte bei ihrer Prüfung jedoch schlechter bewertet.
Wenn das passiert, erhältst du als Verkäufer natürlich nicht dein Geld. Das ist aber nur der Anfang des Problems.
Die finanzielle Falle bei Bewertungsdifferenzen
Das eigentliche Problem ist, was danach passiert. Deine Karte ist nun in Italien „gefangen“. Du kannst sie dir für teures Geld zurückschicken lassen – in meinem Fall wären das etwa 25 Dollar gewesen. Wenn man nur eine einzelne Karte zurückholen muss, lohnt sich das oft nicht, und man verliert den kompletten Wert der Karte.
Aber was noch schlimmer ist: Cardtrader belastet dich mit der Differenz zum nächsten Angebot. Der Kunde soll seine Karte ja bekommen. Also nehmen sie einfach die nächstteuerste gelistete Karte eines anderen Verkäufers, und du musst die Preisdifferenz bezahlen.
In meinem Fall war meine Karte mit rund 42 Euro die günstigste. Die nächste kostete 50 Euro. Ich hätte also nicht nur meine Karte verloren, sondern auch noch die 8 Euro Differenz zahlen müssen. Bei selteneren Karten, wo der Preisunterschied zum nächsten Angebot 20, 30 Euro oder mehr betragen kann, wird dieses Risiko schnell untragbar.
Ein unkalkulierbares Risiko, besonders für Einzelkarten
Mein Geschäft entwickelt sich weg von reinen Bulk-Karten hin zu wertvolleren Einzelkarten. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass solche Bewertungsdifferenzen häufiger auftreten. Auf Cardtrader habe ich monatlich nur einen sehr geringen Gewinn von vielleicht 30 bis 50 Euro gemacht. Ein einziger solcher Vorfall, und ich habe für den ganzen Monat umsonst gearbeitet und sogar Geld verloren.
Ich achte extrem auf den Zustand meiner Karten. In über einem Jahr habe ich mehr als 1.000 Einzelkarten über meine anderen Shops (Shopify, Cardmarket, Ricardo) verschickt und hatte in der ganzen Zeit nur eine einzige Reklamation bezüglich des Zustands, die möglicherweise auch auf einen Transportschaden zurückzuführen war. Meine Quote spricht also für sich, aber gegen das System von Cardtrader kann man sich als Verkäufer kaum wehren.
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Meine Konsequenz: Fokus auf bewährte Kanäle
Aufgrund dieses Risikos habe ich beschlossen, den Verkauf auf Cardtrader komplett einzustellen. Es macht für mich einfach keinen Sinn mehr. Ich konzentriere mich jetzt voll auf meine drei Hauptplattformen:
- Cardmarket: Der Hauptmarktplatz in Europa, auf dem ich einen Großteil meines Umsatzes erziele.
- Eigener Shopify-Shop: Für den direkten Kundenkontakt und den Aufbau einer eigenen Marke.
- Ricardo: Eine Schweizer Plattform, ähnlich wie eBay, die für mich lokal sehr gut funktioniert.
Die Zahlen bestätigen die Entscheidung
Ironischerweise war die Woche, in der ich diese Entscheidung traf, eine meiner besten überhaupt. Nach dem Kauf und der Listung einer größeren Sammlung für 1.000 Dollar sind die Verkäufe auf Cardmarket und Ricardo sofort in die Höhe geschnellt. Auch mein Shopify-Shop verzeichnete mehrere Bestellungen direkt nach dem Update des Inventars.
In nur einer Woche habe ich einen Gewinn von rund 270 Schweizer Franken erzielt – fast so viel wie im gesamten Vormonat. Das zeigt mir, dass der Fokus auf die richtigen, profitablen Kanäle der Schlüssel ist, anstatt die Energie auf Plattformen mit hohen Risiken und geringen Margen zu verschwenden.
Fazit: Kenne die Regeln, bevor du spielst
Meine Erfahrung mit Cardtrader ist ein gutes Beispiel dafür, wie wichtig es ist, die Geschäftsbedingungen und Prozesse einer Plattform genau zu verstehen. Was auf dem Papier wie eine Arbeitserleichterung aussieht, kann sich in der Praxis als teure Falle entpuppen. Für mich ist das Risiko, die Kontrolle über die Zustandsbewertung und die daraus resultierenden Kosten abzugeben, einfach zu hoch. Jeder Verkäufer muss seine eigene Risikobewertung vornehmen, aber für mich ist das Kapitel Cardtrader vorerst abgeschlossen.
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