Wie man Pokémon-Sammlungen kauft: Eine Live-Auktionsanalyse für Wiederverkäufer
Du willst ganze Pokémon-Sammlungen kaufen, bist aber unsicher, wie du den richtigen Preis kalkulierst? Ich zeige dir meinen kompletten Prozess, von der Wertermittlung bis zum finalen Gebot, anhand eines echten Beispiels.
Von NeoSatoshi
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Aktualisiert 3. Mai 2026
Um als Händler einen Online-Shop zu betreiben, braucht man Nachschub. Eine der besten Quellen dafür sind Sammlungen, die man als Ganzes kauft. Der Knackpunkt ist, den richtigen Preis zu finden, um profitabel zu bleiben. Ich nehme dich hier mit und zeige dir meinen kompletten Ablauf, wie ich eine Auktion für eine Sammlung bewerte, den Preis berechne und am Ende biete.
Der erste Schritt: Die Zustandsprüfung der Karten
Bevor du überhaupt an Zahlen denkst, musst du den Zustand der Karten prüfen. Das ist das A und O. Bei der Beispielauktion hatten wir Glück, denn es gab Bilder von Vorder- und Rückseiten. So konnte ich schnell sehen, dass die Karten grösstenteils „near mint“ sind – also in einem guten Zustand für den direkten Verkauf, aber wahrscheinlich keine Kandidaten für ein PSA 10 Grading. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Bewertung des Verkäufers. Eine 100% positive Bewertung ist immer ein gutes Zeichen und schafft Vertrauen.
Die Wertermittlung: So berechnest du den Marktwert einer Sammlung
Für die Preisfindung nutze ich in Europa Cardmarket. Wenn du in den USA bist, wäre TCGplayer deine Anlaufstelle. Mein Prozess sieht so aus:
- Karten identifizieren: Am schnellsten geht es, wenn du die Kartennummer und das Set eingibst. Wenn die Nummer nicht sichtbar ist, musst du den Namen der Karte tippen.
- Preis nachschlagen: Ich suche die Karte auf Cardmarket und schaue mir den Preistrend und den 30-Tage-Preis an. Zur Sicherheit nehme ich meistens den niedrigeren der beiden Werte.
- Werte notieren: Ich nutze eine einfache Notizen-App auf meinem Computer. Dort trage ich den Wert jeder einzelnen Karte ein.
- Gesamtwert berechnen: Am Ende lasse ich die App alle Einzelwerte zusammenzählen, um den gesamten Marktwert der Sammlung zu erhalten.
Dieser Prozess gilt für die wertvolleren Karten der Sammlung. Für den Rest gibt es eine Abkürzung.
Zeit sparen bei Karten mit geringem Wert
Du musst nicht jede einzelne Karte nachschlagen. Bei grossen Sammlungen mit vielen günstigen Karten wäre das viel zu aufwändig. Für moderne, gewöhnliche V- oder EX-Karten rechne ich pauschal mit einem Euro im Kopf. Bei GX-Karten vielleicht mit zwei Euro. Das ist eine gute Annäherung, die den Prozess beschleunigt.
Ausnahme: Bei bestimmten Pokémon wie Glurak (Charizard), Rayquaza oder Entwicklungen von Evoli (Eeveelutions) schlage ich den Preis immer nach, auch wenn es nur eine „Double Rare“ ist. Diese können auch in günstigeren Varianten wertvoller sein.
Wie viel solltest du für eine Sammlung bezahlen?
Niemand zahlt 100 % des Marktwerts, denn du musst ja noch deine Kosten decken und Gewinn machen. Ich kalkuliere mein Maximalgebot als Prozentsatz des ermittelten Gesamtmarktwerts.
Normalerweise halte ich mich an 70 % des Marktwertes. Manchmal, wenn besonders wertvolle Karten dabei sind, gehe ich auch auf 75 % hoch. Das hängt aber letztlich von deiner eigenen Kostenstruktur und Marge ab.
In der Beispielauktion lag der Marktwert bei etwa 157 CHF. Mein Ziel waren also rund 110 CHF (ca. 70 %). Da es einige Karten über 20 CHF waren, wäre ich bis 118 CHF (75 %) mitgegangen.
Sammlungen schneller verarbeiten
Nach dem Kauf einer Sammlung müssen die Karten erfasst werden. Mit einem Kartenscanner kannst du Hunderte von Karten in kürzester Zeit identifizieren und für den Verkauf vorbereiten.
Auktionsmanagement und die richtige Gebotsstrategie
Um keine Auktion zu verpassen, stelle ich mir immer einen Wecker auf meinem Handy, der fünf Minuten vor Auktionsende klingelt. In die Notiz des Weckers schreibe ich mein Maximalgebot. So weiss ich sofort, wie hoch ich gehen kann, ohne nochmal nachrechnen zu müssen. Ist der aktuelle Preis schon drüber, lasse ich es bleiben.
Strategie für eBay: Das „Snipern“
Auf Plattformen wie eBay mit einem festen Auktionsende ist die beste Taktik, erst in den allerletzten Sekunden zu bieten. Ich warte, bis nur noch 5 Sekunden übrig sind, gebe mein maximales Gebot ein und klicke bei 2-3 verbleibenden Sekunden auf „Bieten“. Die meisten anderen Bieter haben dann keine Zeit mehr zu reagieren.
Strategie für Plattformen mit Zeit-Reset
Die Auktionsplattform Ricardo in der Schweiz, die ich im Beispiel nutze, funktioniert anders. Dort wird die Zeit nach einem Gebot kurz vor Schluss zurückgesetzt. Hier biete ich, wenn weniger als drei Minuten übrig sind, und warte dann ab, ob jemand überbietet.
Fallstudie: Der Gewinn der Beispiel-Auktion
Zurück zu unserer Live-Auktion. Am Ende lief es sogar besser als geplant:
- Berechneter Marktwert: ca. 157 CHF
- Mein maximales Gebot: bis zu 118 CHF (75 %)
- Tatsächlicher Kaufpreis: 93 CHF
- Gesamtkosten inkl. Versand (4 CHF): 97 CHF
- Kosten im Verhältnis zum Marktwert: nur ca. 62 %
Das ist ein sehr gutes Ergebnis. Manchmal bekommt man die Karten günstiger, weil keine anderen Bieter mitbieten, manchmal verliert man, weil ein Bieterkrieg ausbricht. Das gehört dazu.
Nach dem Kauf: Der Weg der Karten in deinen Shop
Wenn die Karten ankommen, prüfe ich den Zustand erneut. Die besten Stücke lege ich auf einen Stapel für ein potenzielles Grading. Der Rest wird für den Verkauf vorbereitet und in meinem Shop gelistet. Mit einer soliden Einkaufsstrategie stellst du sicher, dass du immer genug Ware hast, um deinen Shop am Laufen zu halten und dabei profitabel zu wirtschaften.
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